Donnerstag

Adolf Hitler, ‚Mein Kampf‘ und die Psychologie



Für PersönlichkeitspsychologInnen ist Hitler ein „gefundenes Fressen“. Es gibt haufenweise Material über ihn, quasi all seine Handlungen, Reden und Schriften sind verfügbar. Kaum ein Tag seines Lebens (von größeren blinden Flecken seiner Kindheit und Jugend abgesehen), der nicht dokumentiert wäre. Mindestens fünf renommierte Historiker haben tausendbändige Biografien über ihn und sein Tun geschrieben.
Wenn die Kritische Psychologie recht hat mit der Grundannahme, dass die Begründungen für subjektives Handeln gemeinsam mit den handelnden, denkenden und fühlenden Menschen erarbeitet werden können, dann wäre bei Hitler genügend Material vorhanden, um verstehen zu können, wie sich Person, Strukturen und Verhältnisse auf eine Art und Weise verändert haben, dass so etwas wie „Faschismus“ mit Hitler möglich wurde. Etliche Historiker gehen davon aus, dass es ohne Hitlernicht zum deutschen Faschismus gekommen wäre oder dass er andere Strukturen und Feindbilder entwickelt hätte.
Der Vortrag soll
a) die Probleme zeigen, die es gibt, wenn Psychologie und Hitler aufeinandertreffen,
b) Suchbewegungen entwickeln, um kritisch-psychologisch die Person Hitler als Subjekt und als Struktureffekt gesellschaftlicher Logiken zu denken und
c) danach fragen, welche ideologischen Muster (Hitler als das „Böse“ schlechthin, die Nazis als Barbaren etc.) aus dem Weg zu räumen sind, um Hitler und den deutschen Faschismus auch kritisch-psychologisch zu
verstehen.

Prof. Dr. Klaus Weber ist Professor für Psychologie an der Hochschule München für Angewandte Wissenschaften. U.a. gibt er im Argument-Verlag die Reihe „texte kritische psychologie“ heraus. Er habilitierte zu „Blinde Flecken. Der psychologische Blick auf Faschismus und Neofaschismus“ (erschienen 2003). Klaus Weber unterstützt zudem die Historikergruppe des Instituts für Zeitgeschichte (München) bei der Kommentierung der vierbändigen historisch-kritischen Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ als psychologischer Fachberater.

Freitag, 19. Juni 2015, 19 Uhr

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