Donnerstag

„The only free choice is the refusal to pay“

Der Augsburger AStA und das Universum-Magazin



Das vom AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) an der Uni Augsburg herausgegebene Universum-Magazin wurde neu belebt. Die im April erschienene neue Ausgabe widmet sich im Schwerpunkt dem Thema „Ohne Geld durch die Welt“.Vielfältige Möglichkeiten werden da angepriesen: Containern, den dänischen Sozialstaat zugrunderichten, donnerstags Abend als Mitglied oder Interessierte_r die Ganze Bäckerei besuchen und –um Gottes willen!- waschechter Betrug, Diebstahl und –Himmel hilf!- Dealen.
Was neben Wegwerf-Interviews, unprätentiösem Layout und harmloser Hochschul-Information erstmal überrascht. Nicht direkt überrascht, sondern eher besorgt, geschockt, übertölpelt, verleumdet fühlten sich jedoch im Gros andere Leute: unter anderem Uni-Leitung, ein provinzgeistliches Provinzblatt, Pozilei und natürlich unsere ganze besonders guten Freunde von christlichen oder liberalen Hochschulgruppen*.
Die Reaktionen dieser bemitleidenswerten Kollektive konzentrieren sich einerseits darauf, die Ratschläge des Universum-Magazins als Satire, Ironie oder eben „Glosse“ in wohlwollender Autorität runterzuspielen und zugleich den Zeigefinger zu heben: „Wehe, ihr insistiert darauf, dass Armut tatsächlich existiert...“ Dagegen wehren sich die Autoren des Artikels ausdrücklich und betonen die Ernsthaftigkeit ihrer Message.
Andererseits reagiert man mit blankem Hass und reichlich Schaum vor dem Mund und im Kopf: „linkskriminell“ sei der AStA, mit staatlichen Geldern werde zu Straftaten aufgerufen und –so setzt man in grandioser Unkenntnis über die sogar festgelegten Befugnisse des AStAs hinzu- dieser habe mit der aktuellen Universum-Ausgabe unrechtmäßig im Namen aller Studierenden gesprochen oder gar gegen ein „Neutralitätsgebot“ verstoßen.
Zunächst muss bemerkt werden, dass jene Hochschulgruppen momentan in der Hochschulpolitik an der Uni Augsburg glücklicherweise keine große Rolle spielen – aus welchen Gründen auch immer.
Trotzdem muss man aber die Frage stellen, warum es für irgendeine_n Studierende_n ein Problem sein sollte, Gesetze nicht zu respektieren, die darauf abzielen, Menschen in dieser Gesellschaft von Gebrauchsgütern fernzuhalten, sie in Lohnarbeit zu drängen oder ihnen vorzuschreiben, welche Genussmittel in Kneipen, Kiosks und Apotheken zu Spitzenpreisen verkauft werden dürfen und welche nicht. Welches Interesse haben die Gestalten, die nun aus dem Porsche oder von der Pfaffenkanzel spucken, daran, dass nicht irgendwelchen Kaufhäusern ein paar Dinge aus den Regalen entschwinden oder dass sich verzweifelte Augsburger_innen nicht einem Rausch ihrer Wahl hingeben können?
Die Antwort ist weniger in dem Umstand zu suchen, dass jene Gestalten manchmal einfach die Kinder der Kaufhaus-Chefs sind, sondern vielmehr in ihrer schlicht peinlichen Kleingeisterei: „Was verboten ist, ist böse“, „Eure Armut kotzt uns an“ und „Verdammt, Mama hat schon wieder nicht das Kruzifix in der Küche abgestaubt!“, scheinen sie zu denken.

Solidarität mit prekarisierten Arbeitslosen, Arbeiter_innen, Auszubildenden und Studierenden!
Solidarität mit ihren Ausbrüchen aus dem Elend!



Der Artikel "Ohne Geld durch die Welt" ist hier zu finden. Die Print-Variante liegt nach wie vor unter anderem an der Uni und in der Ganzen Bäckerei aus.
Das Titelbild ist einem Cartoon der Situationistischen Internationale entnommen (s.u.).
*Die Artikel und Ergüsse der jeweiligen genannten Gruppen lassen sich bequem über eine Suchmaschine oder das Universum-Magazin finden.