Freitag

Richard Wagner und der Antisemitismus

Judenkarikaturen im "Ring des Nibelungen"


Ende Juli beginnen die Richard-Wagner-Festspiele 2015. In Bayreuth scheinen die bequemen Bekundungen der politischen Speerspitzen Deutschlands gegen Antisemitismus Jahr für Jahr vergessen. Stattdessen gilt ihnen, ganz unbeschwert den Komponisten zu feiern, der mit seinem bösartigen Antisemitismus einer der ideologischen Helfershelfer des mörderischen Antisemitismus Nazi-Deutschlands war. 
Wagners "Ring des Nibelungen" erzählt, verfremdet durch die Einkleidung in germanische Mythen, die Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. Es geht im "Ring" um die Kritik von Herrschaft, Ausbeutung, religiösem Zwang und um die Vision einer Gesellschaft freier Menschen. Verdüstert wird diese Freiheitsutopie allerdings durch Wagners Antisemitismus, wie er sich in den Judenkarikaturen des Alberich und Mime ausdrückt. 
Dies soll nicht nur im Text, sondern auch in der Musik selbst ausgewiesen werden, und das anhand von auf DVD dokumentierten Inszenierungen. 
Wagners Musik ist eine Musik von rauschhafter Leidenschaft, betörender Schönheit und großem Gedankenreichtum. Sie aber unreflektiert zu genießen - das meint: ohne sich ihre antisemitischen Implikationen bewusst zu machen - erscheint eingedenk der Shoa, des industriellen Massenmordes an den europäischen Juden, nicht verantwortlich. Das Problem ist zu diskutieren, wie die Musikdramen zu hören seien, damit trotz dieser Verdüsterungen ihr emanzipatorischer Gehalt bewahrt und ihre künstlerische Größe bewahrt werden können. 
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer möchte, kann sich jedoch anhand eines Opernführers mit der Handlung des "Rings" vertraut machen. 

Hermann Engster studierte Nordistik und Germanistik, promovierte in der Nordistik, war Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Skandinavischen Institut der Universität Göttingen und publiziert zur mittelalterlichen nordischen und dänischen Literatur. Seit einigen Jahren ist er Dozent an der Universität des dritten Lebensalters der Uni Göttingen.

Freitag, 24. Juli 2015, 19 Uhr 
Die Ganze Bäckerei (Frauentorstraße 34, 86152 Augsburg, Haltestellte Linie 2 "Mozarthaus")