Schüler*innnen, die sich egal ob tatsächlich oder vermeintlich an den klimapolitischen Protesten "Fridays for Future" beteiligen, erfahren an Ihren Schulen teils massive Repression.
Wir reden hier nicht von den erwartbaren Sanktio... oh Pardon, Strafen sind's ja offiziell nicht, sondern "pädagogische Maßnahmen", die zukünftiges unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht verhindern und entgangenen Unterrichtsstoff nachholen sollen. Dafür hat jede Schule ihr eigenes Reglement gefunden, die von besonders drakonisch bis zu "Okay ihr müsst einen Film zu Umweltschutz anschauen" reichen; Könnt im letzteren Fall auch schlechter ausgehen, immer ins Verhältnis gesetzt, dass Schulen Räume mit einem krassen Machtungleichgewicht sind.
Aber den engagierten jungen Menschen droht weit mehr als das Verfolgen wegen Schule-schwänzen.
Schüler*innen vom Peutinger-Gymnasium und dem kath. Gymnasium St. Stephan berichten davon, dass sie wegen gegebener Interviews in Medien anlässlich der "Fridays for Future" Demonstrationen noch am Tag der Veröffentlichung zum Rektor der Schule zitiert wurden und zu ihrem Engagement befragt wurden. Des weiteren war die Schule daran interessiert, wer Rädelsführer*innen seien und wer noch in dieser Gruppe aktiv wäre. Schüler*innen wurde damit zur Denunziation von Mitaktivist*innen aufgerufen und wer sich außerschulisch engagiert, soll durch die Vorladung zum Rektor eingeschüchtert werden.
Doch dabei bleibt's nicht. Ebenfalls liegen uns Schilderungen von Schüler*innen besagter Schulen vor, denen vorgeworfen wurden am Schulgelände Sticker verklebt zu haben. Nun möchte man meinen, Aufkleber an Schulen, könnte es wahrscheinlich auch schon vor den "Fridays for Future" gegeben haben und man könnte erwarten, dass Schulen dafür eigene eingespielte Bewältigungsstrategien haben. Auch diesmal wurden die vermeintlichen Täter*innen zum Schulleiter vorgeladen und ihnen wurde dabei erklärt, dass die Schule eine Anzeige wegen Sachbeschädigung bei der Polizei aufgegeben habe. Dass dies keine leere Drohung ist, belegen Beobachtungen von mehreren Schüler*innen, die Polizeibeamte auf dem Schulgelände gesehen haben, die Sticker sichergestellt haben. Wir können froh sein, dass die Schule wegen Stickern nicht das BKA & Interpol kontaktiert oder gleich den NATO-Bündnisfall ausgerufen haben, es geht hier immerhin um Sticker... Ein harmloser Spaß is die Sache jedoch nicht.
Wir solidarisieren uns ausdrücklich mit den jungen und engagierten Schüler*innen bei den "Fridays for Future"-Protesten und verurteilen auf's Schärfste die Repressionsmaßnahmen der Schulen St. Stephan, Peutinger und jeder anderen Einrichtung!
Schulen, Lehrer*innen und Eltern sollten sich an ihr Selbstverständnis erinnern: Schüler*innen, Kinder und Jugendliche zu mündigen Bürger*innen in einem Rechtsstaat zu erziehen.
Ausdrucksformen in Form Stickern, Protesten & Co. zeugen davon, dass Missstände und ungelöste Konflikte vorliegen, die Schüler*innen bewusst werden und diese die Initiative ergreifen, weil's sonst keiner tut. Der sog. Rechtsstaat bzw. vermeintlich rechtsstaatstreue Lehrkräfte entlarven sich damit, wenn sie das im Grundgesetz festgeschriebene Recht auf Versammlungsfreiheit kriminalisieren, von sich aus Rädelsführer*innen aufdecken wollen, Schüler*innen zur Denunziation anstacheln und das eklatante Abhängigkeits- und Machtverhältnis von Lehrer*in gegenüber Schüler*in ausnutzen, um abweichendes Verhalten zu sanktionieren.
Wegen Aufklebern die Polizei zu rufen, sendet ein massiv einschüchterndes Signal an Jugendliche, dass bei der geringfügigsten Abweichung vom Wunschverhalten, doch bitte immer brav und angepasst zu sein, sofort mit maximaler Härte geantwortet wird und die einzige Konfliktlösungsstrategie die Bestrafung ist. Auf der einen Seite begrüßen wir sehr, dass der autoritäre und hart zuschlagende Staat möglichst früh seine Maske fallen lässt und schon den jüngsten Mitgliedern unserer Gesellschaft sein wahres Antlitz zeigt. Das ist bester Treibstoff für neue Aktivist*innen, die sich gegen autoritäre Machtstrukturen und für selbstbestimmtes politisches Engagement langfristig einsetzen.
Wir wollen als Ganze Bäckerei unsere Solidarität mit den von Repression betroffenen Schüler*innen ausdrücken und wollen eine Anlaufstelle sein, wo Unterstützung und Beratung gegeben wird. Kommt auf uns zu wenn ihr Probleme habt. Des weiteren sei auf die Gewerkschaft für Erziehungswissenschaften (GEW) verwiesen, die ebenfalls eine Anlaufstelle für Beratung und Konfliktlösung ist.
Wir rufen alle Schüler*innen, egal welcher Überzeugung dazu auf, sich mit den Betroffenen zu solidarisieren. Denunziert eure Freund*innen und Mitaktivist*innen nicht, auch wenn der Druck von Lehrer*innen und Eltern noch so groß ist. Sprecht miteinander, seid füreinander da, tröstet Euch, geht zusammen zu Vorladungen beim Rektor, kurz: Haltet zusammen!
Lasst Euch nicht einschüchtern, bei dem was Ihr tut. Mut ist nicht keine Angst zu haben, sondern trotz Angst etwas zu tun!
Trotzdem sollte politisches Engagement nichts sein, was einem Angst machen muss. Engagement für und mit Mitmenschen, sollte erfüllend sein und Zufriedenheit, Anerkennung und Unterstützung aus der Breite der Gesellschaft erfahren.