Sonntag

Risikominimierung der Bespitzelung durch den Augsburger Staatsschutz - Teil2

In unserem gestern veröffentlichen Blogposting haben wir über die Bespitzelung
und Kriminalisierung von Facebook-Profilen geschrieben, die die Seite der ganzen Bäckerei liked oder Inhalte davon shared.


Heute soll's drum gehen, wie man damit umgeht.

Erste Regel: Keine Panik. Wenn Du uns schon länger mal geliked hast und es kam noch keine Post vom Staatsanwalt und Du konntest heute Früh in Ruhe ausschlafen, wird der Staatsschutz vielleicht schon mal über Dich dein Facebook-Profil drüber gesurft haben, aber glücklicherweise nix gefunden haben.


Dennoch kannst Du Dir überlegen die ein oder Vorsichtsmaßnahme zu ergreifen. Das hier wird jetzt kein kompletter Kurs in digitaler Selbstverteidigung, das sprengt dann doch den Rahmen und ist auf Facebook eh nur in geringem Maße möglich, aber es gibt ein paar Tips, die wir gerne weitergeben wollen.


1.) Keine Klarnamen-Profile

Deinen echten Vor- und Nachnamen im Facebook-Profil zu verwenden. Macht dem Staatsschutz die Arbeit unnötig leicht Dich zu finden. Für ein Auskunftsersuchen an Facebook zu stellen, muss der Staatsschutz die zugegebenermaßen kleine Hürde "Staatsanwalt" überwinden, aber die hanebüchensten Kriminalisierungsversuche scheitern da vielleicht schon mal und es kommt gar nicht zu einem Verfahren, da der Aufwand steigt und auch der Staatsschutz nur begrenzte Ressourcen hat.

Kein Pro ohne Contra: Facebook mag es überhaupt nicht, wenn Du Fantasienamen verwendest und nötigte Dich in diversen Klarnamenkampagnen der letzten Jahre bis zum Einschicken deines abfotografierten Ausweises, um dein gesperrtes Facebookprofil mit all deinen Freunden wieder zu bekommen. Sei da etwas kreativ und behalte im Hinterkopf, dass Du überhaupt kein Anrecht drauf hast, dass Facebook Dir Zugang zu seiner Plattform geben muss und Du Dir überlegen solltest, welche Zumutungen zu bereit bist zu akzeptieren.


2.) Kein öffentliches Posten

Stell die Sichtbarkeit deines Facebook-Profils auf "Nur Freunde". Da Du wahrscheinlich nicht die Staatsschutzbullen in deiner Freundesliste hast, schützt Dich das davor, dass selbst wenn Du mit einem Like oder Share der Bäckerei dem Staatsschutz aufgefallen bist, aktuell nicht dein Profil abgesurft wird.

Wir haben keine Anhaltspaunkt, dass der Staatsschutz derzeit einen Zugriff auf die sämtliche Facebook-Profile und auch die nicht-öffentlichen Inhalte hat. Das kann sich aber noch ändern und zeigt halt nur ein weiteres Mal die Probleme einer zentralisierten Plattform auf.


Last-but-not-Least: Sei nicht so bequem.

Facebook ist praktisch, weil da sind eh alle. Meine Freund*innen, meine Genoss*innen, man bekommt bestimmte Nachrichten aus seiner Filterbubble mit, die die Kumpels teilen, jedes Projekt/NGO ob real oder nicht existierend hat einen Auftritt bei Facebook und nutzt das teilweise als ausschließlichen Kanal zur Verbreitung von Inhalten.

Klar ist es mühsamer sich in E-Mails-Newsletter einzulesen, den Newsfeed zu abonnieren, auf der Handvoll Blogs regelmäßig nachzulesen und die ex-Komiliton*innen anzurufen um zu erfahren was die gerade so machen. Und Du hast verdammt recht damit. Digitale soziale Netzwerke sind praktisch. Aggregierte Webseiten wie indymedia.org, die Terminübersicht auf auxpunks und was uns sonst noch einfällt sind praktisch um Bescheid zu wissen und um im Wahnsinn, des sich beleunigenden Abschieds von zivilsatorischen Errungenschaften den (vermeintlichen) Überblick zu behalten.


Dass Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, TicToe u.v.m. die Prototypen für alle digitale Soziale Netzwerk sind, steht jedoch nirgends.

Es gibt dezentrale und auf freier Software basierende Alternativen:  Diaspora, Friendica, Mastodon, Peertube um nur einige zu nennen. Schaut mal was das linke Techkollektiv Eures Vertrauens so hat und unterstützt Organisationen oder Individuen, die dezentrale und schwerer zu überwachende Infrastruktur betreiben, indem Du anfängst es auch selber zu nutzen.

Klar kotzt's jede*n an, auf'm Smartphone drei verschiedene Messenger-Apps zu haben, die zueinander inkompatibel sind. Das liegt auch daran, weil sie in der kapitalistisch begründeten Konkurrenzsituation zueinander stehen und das ist in freien Alternativen oft anders.

Die freien und dezentralen Alternativen sind vielleicht nicht so schick und reich an Funktionen wie die etablierten IT-Konzerne. Trotzdem sind die oft erstaunlich gut geworden in den letzen Jahren und verdienen's ausprobiert zu werden.

Überleg Dir was für Dich wichtig ist in deinem digitalen Leben: Wie viel Bequemlichkeit und Komfort erwarte ich mir und wie viel Risiko bin ich bereit für mich und meine Freund*innen und Genoss*innen einzugehen, wenn ich mein digitales soziales Netzwerk in einem zentralistischen System eines IT-Konzerns anvertraue. Facebook, wie viele andere digitale soziale Netzwerke, ist eine Werbeplattform, für die Interaktion zählt, die in Daten erfassbar bewert- und verwertbar ist. Darum die Optimierung auf möglichst viel Interaktion, seien es kontroverse Diskussionen, Fake News, Clickbait in reisserischen Überschriften, div. Skandale im Datenhandeln usw. um noch mehr Interaktion und damit verwertbare Daten zu generieren.

Wir sehen Facebook absolut kritisch und würden uns davon auch zurückziehen. Noch ist es unverzichtbar als Kanal um eine linke Szene zu informieren und mobilisieren. Kommt mit uns auf andere Kanäle, die schwerer zu überwachen sind. Dazu in ein paar Wochen mehr, bis dahin: Öfters mal was Neues ausprobieren!